Infektionen durch Bakterien
Antibiotika-resistente Erreger stellen eine zunehmende Bedrohung für die Therapie von Infektionen dar
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Antibiotika-Resistenzen in Europa

Neue Studie zeigt eine Zunahme von Infektionen und Todesfällen durch antibiotikaresistente Keime in Europa.

Das vermehrte Auftreten von multiresistenten Erregern (MRE) stellt eine ernsthafte Bedrohung für die moderne Medizin dar. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ging für das Jahr 2007 europaweit von etwa 11.000 Menschen aus, die an einer Infektion mit antibiotikaresistenten Erregern verstorben sind. Für die Ermittlung aktueller Zahlen analysierten Wissenschaftler umfangreiche Datensätze aus dem Jahr 2015. Demnach stieg die Anzahl der Todesfälle gegenüber 2007 um das Dreifache auf über 33.000 an. Eine bedenkliche Entwicklung.

Auch Infektionen nehmen deutlich zu

Todesfälle infolge resistenter Keime stellen das „Worst-Case-Szenario“ dar. Aber schon das Auftreten von Infektionen mit MRE ist für die Betroffenen eine besondere Belastung. Vor allem die erschwerte Therapie gefährdet bzw. verzögert die Genesung der Infizierten und verlängert zumeist den Aufenthalt im Krankenhaus. Hier zeigen die Untersuchungsergebnisse der Forscher einen leider eindeutigen Trend zu deutlich mehr Infektionen, die mit antibiotikaresistenten Bakterien assoziiert sind. Waren es im Jahr 2007 laut ECDC noch knapp 240.000 Infektionen, so sind es im Jahr 2015 über 600.000 Fälle in Europa: Eine Zunahme um den Faktor 2,5.

Spitzenreiter Italien und Griechenland

Die im renommierten Fachjournal The Lancet Infectious Diseases publizierten Studienergebnisse zeigen große regionale Unterschiede bei Infektionen und Todesfällen. Die bei Weitem am stärksten betroffenen Länder liegen in Südeuropa: Italien und Griechenland. Alleine in Italien traten über 200.000 Infektionen mit MRE im Jahre 2015 auf. Wohingegen in Deutschland von etwa 55.000 Fällen berichtet wird, von denen 2.363 tödlich endeten. Die Letalität von Infektionen mit multiresistenten Keimen in Deutschland liegt der Studie zufolge somit bei etwa 4,3 Prozent und ist damit etwa um das 1,5 fache höher als bei der Gesamtheit nosokomialer Infektionen in deutschen Krankenhäusern.

Strikte Präventionsmaßnahmen erforderlich

Eine weitere interessante Erkenntnis der Autoren: Der Großteil der beschriebenen Infektionen tritt in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen auf. Um dem gefährlichen Trend entgegenzuwirken, sind neben dem kontrollierten Einsatz von Antibiotika in der Humanmedizin aber auch in der Landwirtschaft, nachhaltige Maßnahmen zur Verbesserung der Händehygiene in den medizinischen Alltag zu implementieren. Diese präventiven Ansätze können eine Verbreitung von resistenten Keimen effektiv verhindern, die Anzahl der Infektionen insgesamt reduzieren und damit die Patientensicherheit wesentlich verbessern.

Zuverlässige Spendersysteme für die medizinische Händehygiene stellen hier eine Grundvoraussetzung dar. Neben der patientennahen Verfügbarkeit, können Hygienespender in Signalfarbe und in automatisch bedienbarer Ausführung den Hygienestandard zusätzlich steigern und der Zunahme von Multiresistenzen entgegenwirken.

Elektronische Systeme
Untersuchungsergebnisse mit dem OHMS

Elektronische Spender, die ihre Nutzungsdaten rund um die Uhr registrieren, können einen weiteren Baustein im Rahmen eines umfassenden Maßnahmen-Bündels zur Infektionsvermeidung bilden. Untersuchungsergebnisse aus der BDH-Klinik Greifswald zeigen deutlich, dass elektronische Monitoring-Systeme zur Händehygiene das Händehygieneverhalten (Verbrauch +31% pro Patiententag) verbessern und den Antiobiotikaverbrauch (-26% pro Patiententag) bzw. die nosokomialen Infektionen (-28% pro Patiententag) signifikant senken können.

 

Quelle: Cassini A., Högberg, L.D., Plachouras, D. et al. Attributable deaths and disability-adjusted life-years caused by infections with antibiotic-resistant bacteria in the EU and the European Economic Area in 2015: a population-level modelling analysis, The Lancet Infectious Diseases, 2018; DOI: 10.1016/S1473-3099(18)30605-4.

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