Krankenhauspersonal befürwortet Händehygiene-Monitoring
Das Personal im Gesundheitswesen sieht in elektronischen Messinstrumenten eine zukunftsweisende Technologie
Forschung und Wissenschaft

Krankenhauspersonal befürwortet Händehygiene-Monitoring

Eine aktuelle Umfrage unter mehr als 1.000 Ärzten und Pflegern zeigt: Die direkte Beobachtung zur Erfassung der Händehygiene-Compliance wird kritisch gesehen. Im Gegenzug sieht das Krankenhauspersonal in elektronischen Messinstrumenten eine zukunftsweisende Technologie.

Nahezu jede Hygienefachkraft kennt es: Das Erfassen des Händehygieneverhaltens auf Station per Direktbeobachtung. Mit einem Stift und Zettel in der Hand, werden minutiös sowohl die durchgeführten als auch unterlassenen Händedesinfektionen der Krankenhausmitarbeiter erfasst. Dazu dient das WHO-Modell der 5 Momente der Händehygiene als Basis. Anschließend werden die gesammelten Beobachtungsdaten mühselig am PC eingegeben und so digitalisiert. Es wird schnell deutlich, dass diese Form der Compliance-Messung ein echter Zeitfresser ist und eigentlich nicht als zeitgemäß bezeichnet werden kann.

Dabei nimmt das Hygienemanagement im Krankenhaus eine zunehmende Schlüsselrolle ein, gerade wenn wir an den Trend im Bereich der Antibiotikaresistenzen denken oder die Umstände der Covid-19-Pandemie betrachten. Es darf also getrost behauptet werden, dass das Aufgabengebiet der Hygienefachkraft anspruchsvoller und der Faktor Zeit zu einem immer wichtigeren „Gut“ wird.

Schon heute wird die direkte Beobachtung aus Zeitmangel nur punktuell auf bestimmten Stationen durchgeführt, was dazu führt, dass nur kleine Ausschnitte verfügbar sind. Hinzu kommt, dass die Beobachtung des Personals, sogar die erhobenen Ergebnisse verfälscht. Das Stichwort an dieser Stelle lautet: Hawthorne-Effekt. Von einem vollständigen Bild kann also wahrlich nicht die Rede sein.

Dabei spielt das Zurückgreifen auf Daten aus Sicht des Krankenhauspersonals eine wichtige Rolle, um die Händehygiene-Compliance zu verbessern und letztendlich nosokomiale Infektionen zu vermeiden.

Klinikpersonal skeptisch gegenüber Direktbeobachtung

Wenn wir die Situation durch die Brille des Pflegepersonals und der Ärzteschaft betrachten, wird deutlich, dass sie der Händehygiene-Compliance eine außerordentlich hohe Bedeutung beimessen. Das zeigt eine aktuelle Studie, die kürzlich im Journal of Hospital Infection publiziert und an zwei Krankenhäusern in Großbritannien durchgeführt wurde.*

Die Direktbeobachtung erscheint zur Bestimmung der realen Händehygiene-Compliance und der Ermittlung des Volumens an Desinfektionsmittel pro Händedesinfektion ungeeignet. Elektronische Händehygiene Monitoring Systeme können einerseits die Händehygiene-Performance permanent widerspiegeln und andererseits durch ein direktes, permanentes Feedback als eine Art Autointervention das Hygieneverhalten der Klinikpersonals nachhaltig verbessern. Die Direktbeobachtung ist jedoch für die Ermittlung der Indikationen, der Beschreibung der Händehygiene-Qualität (Technik, Einwirkzeit) und das persönliche Feedback unabdingbar.

Dr. med. Andreas Glöckner, Medical Director

Im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchung beteiligten sich über 1.000 Ärzte*innen und Pfleger*innen an einer Umfrage und äußerten sich auch konkret zu der vorab beschriebenen Direktbeobachtung. Ihre Meinung: Mehr als die Hälfte aller Befragten sehen die direkte Beobachtung als nicht effektiv an (40% im Krankenhaus A bzw. 44% im Krankenhaus B). Gründe, die das Krankenhauspersonal dazu angab, lauteten „spiegelt nicht die Realität wider“ oder „keine aussagekräftige Daten“.

Vielmehr sieht ein Großteil (70% bzw. 74%) des Klinikpersonals in elektronischen Monitoring-Systemen einen vielversprechenden Ansatz, um die Händehygiene-Compliance zu erfassen.

Die Zeichen stehen auf digitale Händehygiene

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das medizinische Personal absolut aufgeschlossen ist, neue Wege bei der Händehygiene-Erfassung zu bestreiten und das die Hygienefachkraft in den meisten Fällen keinen breiten Widerstand befürchten muss, wenn es um die Einführung eines elektronischen Systems und von smarten Desinfektionsmittelspendern geht.  

Welche Vorteile diese innovativen Lösungen für die Krankenhaushygiene explizit bieten, lässt sich prägnant zusammenfassen:

  1. Valide Daten zum Händedesinfektionsmittelverbrauch und Händehygieneverhalten
  2. Umfangreiches Bild über die Spenderinfrastruktur und Nutzungsfrequenzen
  3. Zeitersparnis durch die automatische und kontinuierliche 24/7-Erfassung
  4. Automatische Benachrichtigungen bei kritischen Füllständen
  5. Häufigeres Feedback an Krankenhauspersonal

Speziell der letztgenannte Punkt gewinnt zunehmend an Bedeutung und kann die Händehygiene-Compliance im Krankenhaus nachhaltig positiv beeinflussen. Dies zeigt auch die britische Studie, in der die Notwendigkeit angesprochen wird, beobachtete Händehygiene-Mängel direkt an das Personal zu kommunizieren.  

Als gelungenes Beispiel für eine technologische Innovation in diesem Bereich, ist die ingo-man® SmartNose zu nennen. Die intelligente Auslaufblende ist mit allen gängigen Eurospendern der ingo-man® plus Serie kompatibel und meldet dem Krankenhauspersonal über eine grüne Feedback-LED zurück, sobald genügend Desinfektionsmittel entnommen wurde – vollautomatisch und absolut ressourcenschonend. Darüber hinaus erfasst die „smarte Nase“ jede einzelne Aktivierung und weitere wichtige Hygiene-Parameter, die über eine entsprechende Software abgerufen werden können.

Als wohl bekannteste Software-Lösung in deutschen Krankenhäusern darf getrost das OPHARDT Hygiene Monitoring System® (OHMS) bezeichnet werden. Seit 2011 unterstützt das System die Hygieneverantwortlichen bei der Analyse und Verbesserung der Händehygiene.

So konnte im Rahmen einer umfassenden Arbeit von Dr. Andreas Glöckner an der BDH-Klinik in Greifswald der Händedesinfektionsmittelverbrauch pro Patiententag um 31% gesteigert und die nosokomialen Infektionen im gleichen Zeitraum um 28% gesenkt werden – basierend auf den Händehygiene-Daten des OHMS.**  

Abschließend bleibt festzuhalten, dass durch die aktuelle Studie aus Großbritannien einmal mehr deutlich wird, dass die Zeit für das elektronische Händehygiene-Monitoring gekommen ist und die zeitintensive Direktbeobachtung in weiten Teilen ablösen kann.

Quellen:

* Cawthorne, K-R., and R. P. D. Cooke. „Healthcare workers’ attitudes to how hand hygiene performance is currently monitored and assessed.“ Journal of Hospital Infection (2020).

**Glöckner A. Elektronisches Händehygiene Monitoring System: Auswirkungen auf Compliance und Infektionen; 9. Nationaler Qualitätskongress Gesundheit, Berlin, 03./04.12.2015

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