Die 5 Momente der Händehygiene
Die hygienische Händedesinfektion gilt als wichtigste Maßnahme, um Krankenhausinfektionen zu vermeiden.
Forschung und Wissenschaft

Die 5 Momente der Händehygiene: Neue Compliance-Daten

Eine aktuelle Studie aus dem Journal of Hospital Infection zeigt die Entwicklung der Händehygiene-Compliance in deutschen Krankenhäusern zwischen 2015 und 2018. Dabei trübt die wohl wichtigste Indikation der “5 Momente der Händehygiene” das Bild.

Ohne Zweifel gilt die hygienische Händedesinfektion als einfachste, ökonomischste und wichtigste Maßnahme, um nosokomiale Infektionen zu vermeiden. Doch im medizinischen Alltag wird immer noch zu selten zum Desinfektionsmittel gegriffen. Dabei könnte ein nicht unerheblicher Teil der jährlich bis zu 600.000 Krankenhausinfektionen in Deutschland durch eine weitere Verbesserung der Händehygiene effektiv vermieden werden.

Wie es aktuell um die sogenannte Händehygiene-Compliance in den deutschen Kliniken steht, haben Forscher im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit herausgefunden. Dazu dienten Daten von über 500 Krankenhäusern und 3.300 Stationen unterschiedlicher Typen, die seit dem Jahr 2015  in die Datenbank vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ) zentral übertragen wurden.

Die 5 Momente der Händehygiene im Krankenhaus
Die Berechnung der Händehygiene-Compliance

Zur Erfassung des Händedesinfektionsverhaltens nutzten die medizinischen Einrichtungen einen einheitlichen Dokumentationsbogen zur Compliance-Beobachtung der bundesweiten Kampagne „Aktion Saubere Hände“, die dem NRZ quasi angeschlossen ist.

Exkurs in die direkte Beobachtung der Händehygiene

Das Konzept der Compliance-Erfassung besteht darin, dass ein geschulter Beobachter das Krankenhauspersonal bei ihren Tätigkeiten auf Station beobachtet und notiert, ob bei einer indizierten Händedesinfektion auch tatsächlich eine Händedesinfektion durchgeführt wurde oder nicht.

Des Weiteren dokumentiert die Person, ob sie einen Arzt, Pfleger oder eine Person einer anderen Berufsgruppe beobachtet und – ganz wichtig – um welche Indikation es sich bei der hygienischen Händedesinfektion handelt. Hier sind die 5 Momente der Händehygiene grundlegend. Dieses Modell wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2009 fest in ihrer Empfehlung verankert und von der Aktion Saubere Hände adaptiert.

Die 5 Indikationen zur Händehygiene im Krankenhaus lauten wie folgt:

  1. Vor Patientenkontakt
  2. Vor aseptischen Tätigkeiten
  3. Nach Kontakt mit potentiell infektiösem Material
  4. Nach Patientenkontakt
  5. Nach Kontakt mit der direkten Patientenumgebung

Die Indikationen für eine Händedesinfektion entsprechen klar definierten Situationen aus dem Alltag der Patientenversorgung. Da in diesem Zusammenhang jedoch eine hohe Anzahl an potentiellen Situationen für eine Desinfektion entsteht, entwickelte die WHO ein komprimiertes Modell, welches letztendlich die fünf genannten Indikationsgruppen hervorbrachte.

Indikation „vor aseptischen Tätigkeiten“ bleibt Problemkind

Nun aber zurück zu der vorgestellten Studie: Insgesamt wurden von den teilnehmenden Krankenhäusern im gesamten Beobachtungszeitraum zwischen 2015 und 2018 knapp 1.500.000 Möglichkeiten für eine hygienische Händedesinfektion erfasst. Die Händehygiene-Compliance stieg bei Betrachtung aller Indikationen und Stationstypen in dem genannten Zeitraum von 72% auf 76%. Den größten Sprung machten die teilnehmenden Intensivstationen von 73% auf 79%. Wenn wir uns speziell die Compliance-Werte der einzelnen Indikationen angucken, fällt auch hier der positive Trend auf – mit einer Ausnahme. Denn gerade zum wahrscheinlich wichtigsten Zeitpunkt „vor aseptischen Tätigkeiten“ hat sich das Händehygieneverhalten über die Jahre nicht signifikant verbessert. Dabei ist gerade bei dem Kontakt mit den Schleimhäuten, dem Legen von Kathetern oder auch während der Wundversorgung das Risiko eine nosokomiale Infektion zu entwickeln, besonders hoch. Insofern nimmt die Händedesinfektion hier eine außerordentliche Rolle für den Patientenschutz ein. Umso ernüchternder sind die Ergebnisse.

Beim Blick auf die existierende Literatur fällt auf, dass diese Händehygiene-Indikation im Vergleich zu den anderen „Momenten“ nicht selten schlechter abschneidet. Im Rahmen einer dänischen Studie unter der Leitung von Dr. Heidi Storm Vikke betrug die Händehygiene-Compliance vor den aseptischen Tätigkeiten in der Notfall-Medizin lediglich 2% und schnitt damit weitaus schlechter ab als die Indikation nach Patientenkontakt (29%) oder nach dem Kontakt mit der direkten Patientenumgebung (38%).  [1]

So gesehen sind die aktuellen Ergebnisse erstmal nicht verwunderlich aber sollten dennoch zum Anlass genommen werden, weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Händehygiene im Gesundheitswesen umzusetzen – vor allem mit Fokus auf den aseptischen Tätigkeiten.

Hierbei sollten laut Forscherteam zunächst potentielle Wissenslücken in Bezug auf die Händehygiene und der korrekte Umgang mit medizinischen Einmalhandschuhen geschlossen werden. Denn Untersuchungen zeigen, dass das Tragen von Schutzhandschuhen zu einer geringeren Händehygiene-Compliance beim Krankenhauspersonal führt und zudem häufig getragen werden, wenn sie nicht erforderlich sind. [2]

Nicht minder wichtig ist die unmittelbare Verfügbarkeit von Händedesinfektionsmittel am sogenannten Point-of-Care. Und auch die regelmäßige Rückmeldung des Händehygieneverhaltens an Pflegepersonal und Ärzte haben nachweislich einen positiven Einfluss auf die Compliance.

Händehygiene ohne Aufwand verbessern

Dank innovativer Desinfektionsmittelspender wie der ingo-man® SmartNose wird vor allem das Händehygiene-Feedback immer komfortabler und einfacher. Das Konzept hinter der Produktneuheit: Eine integrierte Feedback-LED in der Auslaufblende des Desinfektionsmittelspenders, die dem Krankenhauspersonal visuell sofort anzeigt, ob ausreichend Mittel entnommen wurde und so eine erfolgreiche Händedesinfektion zurückmeldet.

5 Momente der Händehygiene und Feedback
Die intelligente Auslaufblende für den Eurospender.

Hinzu kommt, dass die ingo-man® SmartNose wichtige Händehygiene-Daten erfasst und an das OPHARDT Hygiene Monitoring System® übermittelt. Über diese Software können Hygienefachkräfte wiederum detaillierte Händehygiene-Auswertungen durchführen und die Infektionsschutzstandards weiter verbessern.


Studie:

Kramer, T. S., et al. “No increase in compliance before aseptic procedures in German hospitals. A longitudinal study with data from the national surveillance system over four years.” Journal of Hospital Infection (2020)

[1] Vikke, Heidi Storm, et al. “Hand hygiene perception and self-reported hand hygiene compliance among emergency medical service providers: a Danish survey.” Scandinavian journal of trauma, resuscitation and emergency medicine 27.1 (2019): 1-9.

[2] Fuller, Christopher, et al. ” The dirty hand in the latex glove”: a study of hand hygiene compliance when gloves are worn.” Infect Control Hosp Epidemiol 32.12 (2011): 1194-1199.

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