Hygienefachkräfte in Deutschland
Das Auswerten der Händehygiene im Krankenhaus ist eine Teilaufgabe einer Hygienefachkraft.
Forschung und Wissenschaft

Immer mehr Hygienefachkräfte in deutschen Krankenhäusern

Ein Bericht des GKV-Spitzenverbands zeigt, dass die Krankhäuser und Kliniken in Deutschland beim Hygienepersonal aufgestockt haben. Vor allem bereitgestellte Finanzmittel aus einem Sonderprogramm förderten diesen Trend. Doch kann schon von einer zufriedenstellenden Situation die Rede sein?

Die Hygienefachkraft ist der zentrale Anlaufpunkt und Ansprechpartner bei Fragen rund um die Infektionsprävention im Krankenhaus. Ein Großteil des Aufgabenspektrums schließt die Prävention, Identifikation und Surveillance von nosokomialen Infektionen ein. Der Hygienefachkraft kommt somit eine besondere Rolle zu – vor allem, wenn man sich vor Augen führt, dass pro Jahr in Deutschland schätzungsweise bis zu 600.000 Krankenhausinfektionen auftreten, in dessen Folge bis zu 20.000 Menschen versterben. Die Hygiene gewinnt natürlich auch durch die Zunahme multiresistenter Erreger und das Auftreten von Pandemien wie Covid-19 zusätzlich an Bedeutung.

Die Aufgaben einer Hygienefachkraft.
Die Aufgaben einer Hygienefachkraft.

Als mit der Novellierung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2011 die Empfehlungen der KRINKO für Einrichtungen des Gesundheitswesens verbindlich wurden, standen Kliniken und Krankenhäuser vor der Aufgabe, die Hygienevoraussetzungen der Kommission aus personeller und organisatorischer Sicht zu erfüllen. Die konkrete Empfehlung der KRINKO zum Bedarf an Hygienefachkräften richtet sich an der Bettenzahl und Risikoeinstufung einzelner Einrichtungen. [2] Laut Verordnung müssen demnach folgende Bedingungen erfüllt werden:

  • Hohes Risiko (A): 1 Hygienefachkraft auf 100 Betten
  • Mittleres Risiko (B): 1 Hygienefachkraft auf 200 Betten
  • Niedriges Risiko (C): 1 Hygienefachkraft auf 500 Betten

Der Kategorie A sind vor allem Intensivstationen und stationäre Bereiche mit immunsupprimierten Patienten zuzuordnen, wohingegen in Rehabilitationseinrichtungen oder Psychiatrien von einem niedrigeren Infektionsrisiko auszugehen und der Bedarf an Hygienefachkräften vergleichsweise gering ist. Hier ist folglich von Kategorie C die Rede.

Förderprogramm für Einstellung von Hygienefachkräften greift

Ein von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) auf dem Weg gebrachtes finanzielles Förderprogramm aus dem Jahr 2013 unterstützte die medizinischen Einrichtungen dabei, die Vorgaben des IfSG zu erfüllen. Wichtig zu wissen: Im Jahr 2012 – kurz vor Start der Initiative – lag die Anzahl der stationär tätigen Hygienefachkräfte in Deutschland bei 1338. Etwa 40 Prozent aller Krankenhäuser hatten mindestens eine Hygienefachkraft angestellt. [3]

Welche Auswirkungen das zunächst bis 2016 und später bis zum Jahr 2019 verlängerte Finanzierungsprogramm auf die Krankenhaushygiene und somit auf den Infektionsschutz hat, zeigt ein umfassender Sonderbericht des GKV-Spitzenverbandes. [4]

Hygienefachkraft führt Hygieneschulungen durch.
Die Händehygiene: Wichtiger Teil der Infektionsprävention.

Laut dem Hygienebericht wurden den Krankenhäusern im Förderzeitraum knapp 430 Mio. Euro für die Verbesserung der Ausstattung mit Hygienepersonal zur Verfügung gestellt. Dabei haben über 1.100 Einrichtungen von den zusätzlichen Fördermitteln profitiert. Ein Großteil der Gelder – nämlich über 300 Mio. Euro – floss dabei in die Neueinstellung von Hygienepersonal, der internen Besetzung von neu geschaffenen Stellen und in die Aufstockung bereits vorhandener Stellen in Teilzeit.

Für Fort- und Weiterbildungen von Hygienefachkräften und Co. riefen die Kliniken in dem Förderzeitraum knapp 50 Mio. Euro ab.

Wie sich die eingesetzten Gelder schlussendlich quantitativ auf die Anzahl von Hygienefachkräften auswirken, machen die aktuellsten Daten vom Statistischen Bundesamt deutlich, die im März 2021 veröffentlicht wurden. Per Erhebungsstichtag am 31.12.2019 arbeiten in deutschen Krankenhäusern 2.539 Hygienefachkräfte, was im Vergleich zum Jahr 2012 fast einer Verdopplung gleicht. [5]

Schaut man sich noch die Zahlen aus 2005 an, die von 1.112 stationär tätigen Hygienefachkräften sprechen, hat die finanzielle Förderung zweifelsfrei zu einer Verbesserung der Hygienesituation in deutschen Krankenhäusern geführt – zumindest auf personeller Ebene.

Die Hygienefachkraft in Zahlen

Trotz dieser positiven Entwicklung sehen einige Hygiene-Experten weiter einen Personalmangel in der Krankenhaushygiene – auch wenn man das Gebiet ganzheitlich betrachtet und sich dabei die Situation bei den Reinigungskräften ansieht. Darüber hinaus schwingt bei diesem Thema auch der Pflege-Notstand mit. Denn es muss auf Station, sozusagen bei der Patientenversorgung, genügend Zeit für das Praktizieren der Hygiene bleiben.

Hygiene bleibt absolutes Zukunftsthema

Nicht zuletzt durch die Corona-Situation wird deutlich, wie wichtig eine funktionierende Hygiene-Infrastruktur im Krankenhaus ist, zu der in erster Linie ein gut ausgebildetes Personal aber auch organisatorische und bauliche Aspekte gehören – wie zum Beispiel die Ausstattung mit Desinfektionsmittelspendern. Die Hygienefachkraft spielt im Hygieneteam, dem zusätzlich ein Krankenhaushygieniker und hygienebeauftragte Ärzte angehören, eine wichtige Rolle, um den Patientenschutz zu sichern.

Und auch in der Zukunft sind wir auf das Know-How und die Arbeit der Hygienefachkraft angewiesen, denn wie eingangs erwähnt, erwarten uns weitere Herausforderungen in Bezug auf die Infektionsprävention – Stichwort „Antibiotikaresistenzen“.


Quellen:

 [1] Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Insitut “Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens.” Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz 9 (2016): 1189.

[2] Heudorf, U., & Exner, M. (2011). Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen. Richtlinie und Realität 2009. Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, 54(3), 372-377.

[3] Stoliaroff-Pépin, A., Arvand, M., & Mielke, M. (2018). Hygienefachpersonal–wann ist der Bedarf gedeckt?. Epidemiologisches Bulletin (RKI), 45/2018, 479 – 492

[4] Bericht des GKV-Spitzenverbandes zum Hygienesonderprogramm in den Förderjahren 2013 bis 2019, Berlin, 31.07.2020

[5] Statistisches Bundesamt (2021). Grunddaten der Krankenhäuser – Fachserie 12 Reihe 6.1.1 – 2019.

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