Die 5 Momente der Händehygiene
Die hygienische Händedesinfektion gilt als wichtigste Maßnahme, um Krankenhausinfektionen zu vermeiden.
Forschung und Wissenschaft

Im Fokus: Der fünfte Moment der Händehygiene

Die 5 Momente der Händehygiene der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden entwickelt, um dem Personal im Gesundheitswesen eine Orientierungshilfe zu geben, in welchen Situationen eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen ist. Immer mit dem ultimativen Ziel, sich selbst und die Patienten vor nosokomialen Infektionen zu schützen. Einige dieser Momente sind selbst für Außenstehende offensichtlich und haben eine höhere Compliance. Dazu zählt der Moment 3, nachdem das Personal mit potentiell infektiösem Material in Kontakt gekommen ist.

Von allen Händehygiene-Momenten stellt der letzte, fünfte Moment für Hygienefachkräfte wahrscheinlich die größte Herausforderung dar, um die Compliance nachhaltig zu verbessern. Der 5. Moment der Händehygiene definiert sich als „nach Kontakt mit der Patientenumgebung“. Studien haben ergeben, dass zu dieser Indikation eher selten eine Händedesinfektion durchgeführt.

Kürzlich hielt Dr. Jon Otter, Epidemiologe mit Schwerpunkt Infektionsprävention am Imperial College Healthcare NHS Trust in London, einen Vortrag über den „heiklen“ fünften Moment der Händehygiene. Otter betonte dabei sowohl seine Bedeutung als auch häufige Vernachlässigung.

Während der Pandemie haben wir viele neue Erkenntnisse zur Ausbreitung von COVID-19 gemacht. Von den Anfängen, als man sich Videos über die Desinfektion von Lebensmitteln ansah, bis hin zu unserem heutigen Verständnis von SARS-CoV-2 als primär über die Luft übertragenes Virus haben viele Menschen gelernt, wie sich Krankheitskeime auf unterschiedliche Weise verbreiten können. Das neuartige Coronavirus kann zwar viel länger auf Oberflächen überleben als das Influenzavirus, aber es insgesamt wichtig zu verstehen, wie lange infektiöse Erreger auf Oberflächen überleben können. Im Fall von Enterococcus spp. beträgt diese Zeitspanne sage und schreibe vier Jahre.

Eine gute und konsequente Reinigung der Oberflächen in Krankenhäusern ist eine bedeutende Präventionsmaßnahme für diese Art von Übertragungen, ebenso wie die Händedesinfektion nach dem Berühren dieser Oberflächen. „Wir haben jede Menge Beweise“, so Dr. Otter, „dass die Kontamination von Oberflächen in der Patientenumgebung eine entscheidende Rolle bei der Übertragung vieler Krankheitserreger spielt, die in den meisten Fällen zu nosokomialen Infektionen führen können.“ [1]

Dr. Otter verweist auf eine Studie, in der festgestellt wurde, dass das Berühren von Oberflächen in der Nähe eines Patienten ebenso leicht zu einer Kontamination mit C. Difficile-Sporen führen kann wie das Berühren des Patienten selbst. Die Forscher fanden ebenfalls heraus, dass „der Kontakt mit häufig berührten Oberflächen in der Umgebung (z.B. Nachttisch, Telefon, Ruftaste) ebenso leicht zu einer Ansteckung führen kann, wie der Kontakt mit häufig untersuchten Hautstellen (z. B. Brust, Bauch, Arm, Hand).“ [2]

Eine „Sowohl-als-auch“-Lösung für die Infektionsprävention

Die Lösung kann nicht allein durch eine verbesserte Händehygiene-Compliance oder Umgebungsreinigung gefunden werden. Zwar kann jede dieser Praktiken für sich genommen die Zahl der Infektionen verringern, doch wenn die Handdesinfektion und die Reinigung zusammen konsequent umgesetzt werden, ist der Rückgang der Infektionen dramatisch. So kann beispielsweise die Rate der C. difficile-Infektionen von fast 8 pro 10.000 Patiententage auf fast 1 pro 10.000 gesenkt werden. (siehe Grafik)

Auswertung nach Barker et al.

Wie bei allen Dingen der Händehygiene führt ein multimodaler Ansatz zu den besten Ergebnissen. Die Verbesserung der Compliance erfordert eine hervorragende Infrastruktur für die Händehygiene in Form von Desinfektionsmittelspendern, konsequente Erfassung des tatsächlichen Verhaltens und ein regelmäßiges Feedback an das Klinikpersonal.

„Wenn wir unsere Aufmerksamkeit nicht auf alle Momente der Händehygiene richten“, schließt Dr. Otter, „werden wir nicht so effektiv sein, wie wir es bei der Prävention von Kreuzkontaminationen sein könnten.“


Quellen zum Artikel „Der fünfte Moment der Händehygiene“:

[1] Otter, Jon. “The ‘Thorny 5th Moment for Hand Hygiene’: Hands and Surfaces Collide.” Reflections on Infection Prevention and Control, 23 Nov. 2021, reflectionsipc.com/2021/11/23/the-thorny-5th-moment-for-hand-hygiene-hands-and-surfaces-collide/. Accessed 25 Jan. 2022.

[2] Guerrero DM, Nerandzic MM, Jury LA, Jinno S, Chang S, Donskey CJ. Acquisition of spores on gloved hands after contact with the skin of patients with Clostridium difficile infection and with environmental surfaces in their rooms. Am J Infect Control. 2012 Aug;40(6):556-8. doi: 10.1016/j.ajic.2011.08.002. Epub 2011 Oct 7. PMID: 21982209.

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