A healthcare worker disinfects her hands. Does her empathy change her behaviour?
Kundenerfahrungen

Empathie und Händehygiene – gibt es einen Zusammenhang?

Spielt Empathie eine Rolle bei der Einhaltung der Händehygiene? Während häufig verschiedene Ansätze zur Verbesserung der Händehygiene im Gesundheitswesen erforscht werden, wirft eine langsam wachsende Zahl an Forschungsarbeiten interessante Fragen auf.

Ein Problem, das weiterhin besteht

Die 5 Momente der Händehygiene der WHO bieten einen hilfreichen und globalen Rahmen dafür, wann eine Händedesinfektion erfolgen sollte. Eines der schwierigsten Probleme im Gesundheitswesen ist die erforschte Erkenntnis, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen ihre Hände eher desinfizieren, nachdem sie sich um einen Patienten gekümmert haben, anstatt vorher.

Die Forscher haben darüber spekuliert, warum dies so ist. Einige haben sich gefragt, ob das Gesundheitspersonal – bewusst oder unbewusst – seiner eigenen Sicherheit Vorrang einräumt.

Die Messung vom Empathie und ihre Ergebnisse

Ergänzend zu einigen Studien aus den letzten zehn Jahren, die die Rolle der Empathie bei der Einhaltung der Händehygiene untersucht haben, untersuchten Forscher aus Deutschland das Verhalten von Krankenschwestern und Ärzte aus 38 Stationen über einen Zeitraum von einem Jahr (2017-2018). Die Krankenschwestern und -pfleger füllten einen Fragebogen aus, der einen Abschnitt zur Selbsteinschätzung der Händehygiene-Compliance und einen Abschnitt zur Bewertung ihrer Empathie enthielt. (Dazu gehörten Fragen wie: „Ich habe oft zärtliche, besorgte Gefühle für Menschen, die weniger Glück haben als ich.“, „Wenn ich sehe, dass jemand ausgenutzt wird, fühle ich mich ihm gegenüber irgendwie beschützend.“, „Ich bin oft ziemlich berührt von Dingen, die ich sehe.“, „Ich würde mich selbst als eine ziemlich weichherzige Person beschreiben.“)

Zusätzlich zur selbstberichteten Handhygiene-Compliance-Rate führten die Forscher eine Richtungsbeobachtung des Handhygieneverhaltens durch.

Die Studie ergab, dass die Interaktion zwischen der Empathie und der Compliance „signifikant“ war. Stationen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens mit einem höheren Maß an Empathie desinfizierten ihre Hände mit größerer Wahrscheinlichkeit in den Momenten „davor“. Ein geringes Maß an Empathie korrelierte mit den niedrigsten Compliance-Raten während dieser „Vorher-Momente“. Faszinierenderweise wiesen sowohl die Gruppe mit geringer als auch die Gruppe mit hoher Empathie ähnliche Befolgungsquoten für die „Nachher-Momente“ auf, was die Theorie stützt, dass dieses Verhalten eine Priorisierung des eigenen Verhaltens gegenüber dem anderer zeigt.

Wie die Forscher betonen, sind die „Vorher-Momente“ besonders wichtig für die Verbesserung der Patientenergebnisse, „indem sie die Kontamination der Patienten (Moment 1) und Infektionen bei den Patienten (Moment 2) verhindern; die Einhaltung der „Nachher-Momente“ hingegen ist, abgesehen von der Verhinderung der Kontamination der anschließend berührten Oberflächen, vor allem für das Gesundheitspersonal selbst von Vorteil.“

Kann Empathie gefördert werden?

Diese Ergebnisse sind beeindruckend, aber im Gegensatz zu einigen anderen Studien, die untersucht worden, gibt es keine einfache Anwendung. Sollten Krankenhäuser versuchen, einfühlsameres Gesundheitspersonal einzustellen? Kann Empathie durch Schulungen gefördert werden? Kann das Arbeitsumfeld so gestaltet werden, dass die vorhandene und latente Empathie des Gesundheitspersonals zum Vorschein kommt? Wird der Übergang zu einer patientenorientierten Gesundheitsversorgung zu einer besseren Einhaltung der Handhygiene führen? Die Forscher stellen fest, dass „mehr Forschung über die psychologischen Prozesse, die [der Einhaltung der Händehygiene] zugrunde liegen, notwendig ist, um Schulungs- und Interventionsprogramme zu optimieren“.

Ein Überblick: Händehygiene verbessern

Wir glauben, dass ein vielseitiger Ansatz die Einhaltung der Händehygiene in den Krankenhäusern am meisten verbessern wird. Viele Spender in der Nähe der Patienten und eine elektronische Überwachung der Händehygiene – das sind gute Schritte, um die Compliance zu verbessern. Um diese Instrumente optimal nutzen zu können, ist es hilfreich, die psychosoziale Seite der Händehygiene zu verstehen. Ob es nun um eine Rolle spielt, die Machtdynamik zu durchleuchten oder Empathie bei der Einhaltung der Vorschriften zu verbessern – wir beginnen, einen tieferen und differenzierteren Blick auf die Vielzahl von Faktoren zu werfen, die zu etwas so scheinbar Einfachem wie der Händedesinfektion beitragen.

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