Grippesaison 2022
Experten rechnen Anfang Januar 2022 mit dem Höhepunkt der Grippewelle.
Forschung und Wissenschaft

Grippesaison 2021/2022 – was erwartet uns?

Experten aus den USA prognostizieren eine harte Grippewelle für die Saison 2021/2022.

Die Ergebnisse einer Studie zeigen, dass wir uns wappnen müssen. Wappnen gegen die Grippesaison 2021/2022. Forscher aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania rechnen nämlich mit einem Anstieg der Krankenhausbehandlungen von Influenza-Patienten um 20 Prozent im Vergleich zu den zurückliegenden Grippewellen. Die Saison 2020/2021 ist aufgrund ihrer extrem geringen Aktivität ausgeklammert. [1]

Influenzavirus A/California/7/2009 (H1N1) nach Gudrun Holland, N. Bannert/RKI

Für die USA bedeutet dies in Zahlen ausgedrückt: Über 100.000 Menschen müssten zusätzlich in Kliniken und Krankenhäusern therapiert werden – vorausgesetzt die Grippeimpfungen bleiben auf dem gleichen Level wie in den letzten Jahren. Dramatischer könnte es sogar aussehen, wenn die Impfbereitschaft weniger ausgeprägt ist und der Wirkstoff eine geringere Effektivität aufweist.

Grippesaison 2021/2022 in Deutschland

Legt man die aktuellen Prognosewerte für Deutschland an, so würde ein zwanzigprozentiger Anstieg der Hospitalisierungsrate in Zahlen ausgedrückt zu etwa 6.000 zusätzlichen Influenza-Fällen führen, die im Krankenhaus medizinisch behandelt werden müssten. Die Basis hier bildet das Infektionsgeschehen im Jahr 2019/2020. In dieser Saison wurden deutschlandweit 30.000 Menschen aufgrund einer Infektion mit dem Influenza-Virus behandelt [2].

„Ich rechne damit, dass auf jeden Fall mehr Influenzafälle auftreten werden als im vergangenen Jahr. Aber wie die Grippesaison genau verlaufen wird, wissen wir eben noch nicht.“

Prof. Sabine Wicker, stellvertretende Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO)

Vor dem Hintergrund der weiter anhaltenden Corona-Pandemie und den damit einhergehenden  steigenden Fallzahlen, die sich in einem gewissen Umfang in den Krankenhäusern und im schlimmsten Fall auf den Intensivstationen bemerkbar machen, könnten die Gesundheitssysteme durch die „zusätzliche Last“ an Grippefällen schnell an ihre Grenzen stoßen.

Der Grund für die erwarteten höheren Grippefallzahlen und Hospitalisierungsraten liegt laut Experten unter anderem in der ausgefallenen Grippesaison 2020/2021. Mit einer exakten Prognose zur Entwicklung der nahenden 2021/2022er Saison hält sich das Robert Koch-Institut (RKI) jedoch insgesamt eher zurück. Prof. Sabine Wicker, stellvertretende Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO), erklärte in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Ich rechne damit, dass auf jeden Fall mehr Influenzafälle auftreten werden als im vergangenen Jahr. Aber wie die Grippesaison genau verlaufen wird, wissen wir eben noch nicht.“ [3]

Grippesaison 2021/2022 mit Impquoten

Ein Grund liegt darin, dass die Wirksamkeit des Grippeimpfstoffs nicht genau vorherzusehen ist und sich laut Wicker in einem bestimmten Rahmen bewegt: „In einem Jahr sind es 80 Prozent, im nächsten nur 40 Prozent.“

Grippesaison: Vulnerable Gruppen

Eine Grippeschutzimpfung empfiehlt die STIKO besonders für die vulnerablen Gruppen, zu denen folgende Personen zählen:

  • Alle Personen ab 60 Jahre
  • Vorerkrankte (z.B. chronische Erkrankung der Atemwege, Herzkreislaufkrankheiten, Diabetes)
  • Schwangere
  • Menschen mit einem beeinträchtigten Immunsystem
  • Bewohner von Alters- und Pflegeheimen
  • Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende Risikopersonen gefährden könnten
Grippesaison 2020 PRAESIDIO
Desinfektionssäulen optimieren die Hygiene

Außerdem empfiehlt die STIKO eine Grippeschutzimpfung für Personen, die ein erhöhtes berufliches Risiko haben:

  • Personen mit einer erhöhten Gefährdung (z.B. medizinisches Personal)
  • Personen in Einrichtungen mit umfangreichen Publikumsverkehr
  • Personen, die eine potentielle Infektionsquelle für Risikogruppen darstellen

Lancet-Studie zur Händehygiene

Neben der Grippeschutz-Impfung nimmt die Händehygiene eine wichtige Rolle im Rahmen der Influenza-Prävention ein. Das RKI empfiehlt im dazu konkret ein „regelmäßiges gründliches Händewaschen“ [4]. Diese Maßnahme kann durch das Desinfizieren der Hände im öffentlichen Bereich, wo Wasser und Seife nicht zur Verfügung stehen sinnvollerweise ergänzt werden.

Das renommierte Fachjournal The Lancet beleuchtete in einem kürzlich publizierten Artikel einige wichtige Lehren, die wir aus der Corona-Pandemie für zukünftige Infektionswellen – wie die saisonale Grippe – ziehen können. [5] Neben der besseren Zusammenarbeit auf geopolitischer Ebene wird auch die Händehygiene als wichtiger Baustein in Bezug auf die Grippe-Prävention genannt, durch die zusammen mit einem konsequenten Masken-Tragen bis zu 10-20% aller Influenza-Fälle vermieden werden können.


Quellen:

[1] Lee, Kyueun, et al. „Predicting the impact of low influenza activity in 2020 on population immunity and future influenza season in the United States.“ medRxiv (2021).

[2] Robert Koch-Institut – Arbeitsgemeinschaft Influenza “Influenza Wochenbericht”. Kalenderwoche 20/2020

[3] Redaktionsnetzwerk Deutschland, „Grippesaison 2021/22: Erwartet uns im Herbst eine Influenzawelle?“, 08.06.2021, online abrufbar: https://www.rnd.de/gesundheit/grippesaison-202122-erwartet-uns-im-herbst-eine-influenza-welle-ZPVE3JRISFD7TNEYTKDEYAQT3Y.html

[4] Robert Koch-Institut – Influenza „Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe“. Online abrufbar: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Influenza/FAQ_Liste.html;jsessionid=4CC38CD3400FA1330148DE77D0BB9DA1.internet071

[5] Kickbusch, Ilona, Gabriel M. Leung, and Robin J. Shattock. „Learning from crisis: building resilient systems to combat future pandemics.“ The Lancet 398.10294 (2021): e2-e6.

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