gefahr durch haendedesinfektionsmittel
Die Händedesinfektion gilt als wichtigste Maßnahme für den Infektionsschutz.
Forschung und Wissenschaft

Brände im Krankenhaus: Gefahr durch Händedesinfektionsmittel?

Immer wieder kommt es zu Bränden in Krankenhäusern. Erst Anfang des Jahres 2022 verstarb ein Mann während eines stationären Aufenthaltes in einer Cloppenburger Klinik an den Folgen eines Brandes in einem Patientenzimmer. Wir haben uns gefragt, inwieweit Händedesinfektionsmittel bei einem Feuer und Brand im Krankenhaus beteiligt sind?

Der Bundesverband Technischer Brandschutz (bvfa) führt seit dem Jahr 2013 Statistik über die Krankenhausbrände in Deutschland. Alleine im Jahr 2021 zählte der Verband in dieser Statistik 56 Brände mit 103 Verletzten und vier Todesfällen. Neben dem menschlichen Leid entsteht für die betroffenen Einrichtungen dabei nicht selten ein Sachschaden in siebenstelliger Höhe, wie der Brand in der Asklepios Klinik im rheinlandpfälzischen Kandel zu Jahresbeginn 2022 zeigt. Die Ursachen für diese Unglücke sind vielfältig. Mal sind es Matratzen, die unfreiwillig in Brand gesetzt werden. Mal sind es Mülleimer im Patientenzimmer die Feuer fangen. Oder es sind sogar mutwillige Handlungen.

Doch welche Rolle spielen eigentlich Händedesinfektionsmittel und Hygienespender bei der Entstehung von Bränden in Krankenhäusern? Immerhin basieren die eingesetzten Präparate auf den desinfizierenden Eigenschaften von Alkohol, die als leicht entzündlich eingestuft werden. Zum Einsatz kommt in der Regel Ethanol wie beispielsweise in den Händedesinfektionsmitteln Sterillium®, und Aseptoman® Med. Auch in dem Produkt ACO®-derm sensitive wird Ethanol eingesetzt. Alternativ verwenden die Chemiehersteller auch Isopropanol für die Handdesinfektionsmittel.

Das Händedesinfektionsmittel unter die Lupe genommen

Die Professoren und Hygiene-Experten Axel Kramer und Günter Kampf haben sich mit der eingangs gestellten Frage eingehend beschäftigt (1). Um sich ein umfassendes Bild zu machen, verschickten die Forscher einen Fragebogen an über 4.000 Personen in Kliniken, die der Deutschen Krankenhausgesellschaft angehören.

Neben der Bettenanzahl wurde mit dem Fragebogen erhoben, wie viel Händedesinfektionsmittel die Krankenhäuser pro Monat verbrauchen, an welchen Stellen die wandmontierten Desinfektionsmittelspender in der Klinik angebracht sind und ob in der Vergangenheit alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel für Krankenhausbrände mitverantwortlich waren. Im Fall, dass es zu einem Brandunfall kam, sollten die befragten Kliniken weitere Details aufführen – wie zum Beispiel zu der Anzahl an verletzten Personen und ob die Patienten oder das Klinikpersonal betroffen waren.

Autoren stufen Gefahr durch Händedesinfektionsmittel als gering ein

Insgesamt beantworteten 788 Krankenhäuser und Kliniken den Fragebogen. Der Median der verbrauchten Mengen von alkoholbasierten Händedesinfektionsmittel lag bei monatlich 31 Litern in der kleinsten Gruppe von Krankenhäusern mit weniger als 200 Planbetten und bei 450 Litern in der Gruppe der großen Häuser, die mit mehr als 600 Patientenbetten ausgestattet sind. Knapp 95 Prozent der befragten Einrichtungen nutzten zum Zeitpunkt der Umfrage festmontierte Wandspender für die hygienische Händedesinfektion.

Desinfektionsspender im Krankenhaus
Der ingo-man smart Desinfektionsspender.

Von Bränden, die in einen Zusammenhang mit Händedesinfektionsmitteln gebracht werden können, berichteten lediglich sieben medizinischen Einrichtungen. Keiner dieser Brände führte zu schwerwiegenden Verletzungen oder Todesfällen unter den Klinikmitarbeitern und Patienten. In einmal Fall kam es während Umbaumaßnahmen zu einem kleinen Feuer während sich ein Bauarbeiter während des Rauchens die Hände desinfizierte. In einem anderen Fall berichtete ein Krankenhaus von einem absichtlich herbeigeführten Brand eines mit Desinfektionsmittel getränkten Kopfkissens durch einen Patienten. In allen geschilderten Ereignisse wurden maximal leichte Verbrennungen dokumentiert.

Vor diesem Hintergrund schätzen die beiden deutschen Forscher die von Händedesinfektionsmitteln und auch von Desinfektionsmittelspendern ausgehende Brand- und Verletzungsgefahr als sehr gering ein. Diese Ergebnisse stimmen mit den Resultaten einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2003 von John M. Boyce und Michele L. Pearson überein (2). In deren Untersuchung meldete keine der über 700 befragten Kliniken einen Brand, der von einem Händedesinfektionsmittelspender ausging.


Quellen zu dem Artikel „Brände im Krankenhaus: Gefahr durch Händedesinfektionsmittel?“ :

(1) Kramer, A., & Kampf, G. (2007). Hand rub–associated fire incidents during 25,038 hospital-years in Germany. Infection Control & Hospital Epidemiology, 28(6), 745-746.

(2) Boyce JM, Pearson ML. Low frequency of fires from alcohol-based hand rub dispensers in healthcare facilities. Infect Control Hosp Epidemiol 2003; 24: 618-619.

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