Antibiotikaresistenzen
In Europa erleiden mehr als 600.000 Menschen eine Infektion mit antibiotikaresistenten Keimen.
Forschung und Wissenschaft

Superbugs effektiv bekämpfen

Das vermehrte Auftreten von multiresistenten Erregern stellt ein zunehmendes Problem für die moderne Medizin dar – dabei liegt die Lösung quasi auf der Hand.

Es sind bedrohliche Zahlen, die im renommierten Fachjournal The Lancet Infectious Diseases Anfang des Jahres publiziert wurden: Eine Zunahme von Infektionen, die mit antibiotikaresistenten Bakterien assoziiert sind, von europaweit 240.000 Fällen im Jahr 2007 auf über 600.000 acht Jahre später.  Die Anzahl der Todesfälle infolge dieser Infektionen stieg in dem Zeitraum sogar um das Dreifache.[1]

Die Gründe für die ansteigende Resistenzentwicklung sind bekannt. Ein wesentlicher Faktor ist die massenhafte  Gabe von Antibiotika in der landwirtschaftlichen Tiermast. Ein Großteil der weltweit produzierten Antibiotika kommt in diesem Sektor zum Einsatz – vorwiegend zur Vorbeugung von Infektionen und als Wachstumsförderer. Auch die nicht indikationsgerechte, ja zum Teil sorglose Verschreibungspraxis in der Humanmedizin fördert die Resistenzbildung bei Bakterien. Nicht selten werden zur Behandlung von viralen Infekten Antibiotika verschrieben, die in diesem Falle unwirksam sind, zudem werden Ressourcen vergeudet.

Eine weitere und wichtige Erkenntnis der Studie ist zu erwähnen, dass ein Großteil der beschriebenen Infektionen mit multiresistenten Erregern (MRE) in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen auftritt. Speziell in diesen Bereichen haben Erreger leichtes Spiel, wenn sie auf immungeschwächte Patienten treffen. Und leider scheint gerade hier die wichtigste „Waffe“ der Infektionsprävention häufig zu versagen: die Händehygiene.

Der Ansatz: Prävention statt Therapie

Schätzungen zufolge werden über 80 Prozent aller Infektionen durch die Hände übertragen. Ein beeindruckender Wert, der die Bedeutung einer sorgfältigen Händehygiene zur Vermeidung solcher Krankheiten unterstreicht. Mit diesem Wissen wird auch ihr überragendes Potential zur Eindämmung antibiotikaresistenter Bakterien erst deutlich. Als  präventive Maßnahme reduziert sie Infektionen wirksam, sodass Fehlanwendungen und unnötige Verschreibungen von Antibiotika vermieden werden können.

Wie aber die Einhaltung der Regeln zur Händedesinfektion im medizinischen Alltag verbessern?

Dies sollte im besten Fall mit multimodalem Ansatz erfolgen – so fordert es die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Denn: Verbesserungen des Händedesinfektionsverhaltens durch Einzelkonzepte verpuffen nach kurzer Zeit.

„Mit einer guten Händehygiene können wir nicht nur Infektionen vermeiden, die im Krankenhaus nicht selten zum septischen Syndrom führen und tödlich enden, sondern auch der Entstehung von Antibiotikaresistenzen entgegenwirken und die Verbreitung von MRE minimieren.“

Dr. med. Andreas Glöckner, Medical Director

Ein wichtiger Baustein umfasst dabei die optimierte Verfügbarkeit von Desinfektionsmittel und entsprechenden Spendersystemen, die möglichst nah am Ort des Geschehens – dem sogenannten Point-of-Care – vorzusehen sind. Nicht selten unterbricht der Gang zu einem weit entfernten Desinfektionsmittelspender den Arbeitsfluss der Klinikmitarbeiter. Die Folge: die Händedesinfektion wird erst gar nicht durchgeführt und somit ist der Verbreitung von Infektionserregern, natürlich auch der von MRE, „Tür und Tor geöffnet“.

Berührungslose Spendersysteme fördern die Nutzungsfrequenz nachweislich und können die Compliance der hygienischen Händedesinfektion steigern.[2] Ein weiterer Vorteil der „touchfree“ Sensortechnologie: Kreuzkontaminationen werden effektiv vermieden.

Händehygiene mit OPHARDT
Berührungslose Funktionen und Gehäuse in Signalfarbe fördern die Händehygiene-Compliance.

Im Rahmen psychologischer Ansätze hat sich die Rückkopplung des Verhaltens hinsichtlich der Händehygiene an Ärzte und Pflegepersonal als besonders effizient erwiesen. Dieser Aspekt rückt folglich immer stärker in den Vordergrund. Technische Innovationen unterstützen bereits mit Lösungen, die Spendernutzungs-Daten vollautomatisch erfassen und diese komfortabel über Bildschirme permanent an das Stationspersonal zurückmelden. Regelmäßige Schulungen lassen sich auf Grundlage der elektronischen Daten durch die Hygieneabteilung inhaltlich gezielt planen und durchführen.

Den Einsatz optischer „Reminder“  sieht die WHO in ihren Guidelines, an die sich auch nationale Empfehlungen orientieren, als weiteres nützliches Puzzleteil an, um die Händehygiene Compliance zu verbessern. Im medizinischen Umfeld ist der positive Effekt von signalfarbenen Spendern und Schildern mit eindrücklichen Hinweisen auf die Händehygiene wissenschaftlich belegt.[3] 

Neben den psychologischen und infrastrukturellen Faktoren, müssen auch die personellen Rahmenbedingungen für eine regelkonforme Durchführung der Händedesinfektion vorhanden sein. Der Trend der zunehmenden Arbeitsverdichtung in der Pflege, man kann es auch treffend „Pflegenotstand“ nennen, ist dabei mehr als kontraproduktiv und  eine weitere Herausforderung für unser Gesundheitssystem.

Hygiene als Teil einer Strategie

Wir erkennen, dass die Implementierung eines mehrteiligen Händehygiene-Konzeptes elementar ist, um die Ausbreitung und Förderung von Antibiotikaresistenzen einzudämmen. Die 2015 vom Bundeskabinett verabschiedete Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020) sieht in der Umsetzung von Hygienemaßnahmen ein elementares Ziel um die Wirksamkeit der Antibiotika sicherzustellen.

Daneben müssen auf globaler Ebene weitere Gegenmaßnahmen umgesetzt werden. Hier ist vordergründig der kontrollierte Einsatz von Antibiotika in der Tiermast aufzuführen. Auch muss das Vorgehen bei der Infektionstherapie grundlegend überdacht werden. Immer häufiger etablieren sich Antibiotic Stewardship Initiativen, die sich dem rationalen Antibiotikaeinsatz in medizinischen Einrichtungen widmen.

[1] Cassini A., Högberg, L.D., Plachouras, D. et al. Attributable deaths and disability-adjusted life-years caused by infections with antibiotic-resistant bacteria in the EU and the European Economic Area in 2015: a population-level modelling analysis, The Lancet Infectious Diseases, 2018; DOI: 10.1016/S1473-3099(18)30605-4.

[2] Scheithauer, S., et al. „Increase of alcoholic hand disinfection usage due to new touchless dispensers.“ Hyg Med 36 (2011): 494-496.

[3] Scheithauer, Simone, et al. “Influence of signal colored hand disinfectant dispensers on hand hygiene compliance at a medical intensive care unit.” American Journal of Infection Control 42.8 (2014): 926-928.

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